Müll (fast) weg, neuer Investor da und Bauarbeiter auch

Was sich in den vergangenen Monaten angedeutet hat, ist nun offenbar Fakt: Es gibt einen neuen Investor und die Verwaltung schafft im Schatten der Neuwahlen Fakten – ohne dabei wie auf der Anwohnerversammlung (25.11.2010) versprochen die Anwohner einzubeziehen. Das einzig gute: Der illegal abgelagerte Müll scheint nun endlich komplett zu verschwinden. Dafür dürften schon bald die Bagger rollen.

Anwohner des Geländes zwischen Dudenstraße und Monumentenstraße hatten zuletzt immer wieder Autos der Oberklasse gesichtet, deren Insassen sich anscheinend das angebotene Grundstück ansahen. Inzwischen ist klar, wer der neue Eigentümer ist: die UTB Grundstücksgesellschaft mbH (Fidicinstr. 18, 10965 Berlin – Geschäftsführer: Thomas Bestgen).

Wie wir gestern im Rathaus T/S von Herrn Baldow erfahren haben, liegt dem neuen Eigentümer nun auch schon eine Baugenehmigung vor.
Der Antrag vom 19.1.2011 sieht folgendes vor:
– Zulassung von Eckbebauungen an der Duden- und der Monumentenstraße mit im Grundriss L-förmigem Anschluss an die bestehende Blockrandbebauungen, in der Höhe des Altbaubestandes
– Zulassung von Kopfbebauungen entlang der Privatstraße, die sich in der grundrisslichen Anordnung und der Höhe an den frei stehenden Giebelwände des Altbaubestandes orientieren

Das heißt übersetzt: Gebaut werden darf wohl (ohne Mittelteil) der von uns unter Pläne beschriebene Betonriegel. Damit wird die Rückseite der Gebäude an einer der schon jetzt heißesten Straßen der Stadt (Eylauer Straße) weitgehend von der Frischluftzufuhr abgeschnitten und das Verkehrs- und Parkplatzproblem im Kiez deutlich verschärft. Die massive Belastung von Umwelt, Klima und Anwohnern wird weiterhin komplett ignoriert.

Die Verwaltung hat also die sitzungs- und damit auch weitgehend informationsfreie Zeit genutzt, um Nägel mit Köpfen zu machen. Die Mitglieder des Stadtplanungsausschusses wurden erst am 10.1.2012 durch das Bezirksamt informiert, dass das Grundstück weiterverkauft wurde und dass (offenbar bereits ca. Ende Oktober) für die Ecken Baugenehmigungen erteilt wurden
(auf Grundlage des dort geltenden Baurechts nach § 34 !!!).

Da der Bebauungsplan noch nicht gültig ist, gab es auch im Amtsblatt bisher keine Informationen. Und: Baugenehmigungen werden nicht veröffentlicht, was uns nicht verständlich und ein weiterer eklatanter Transparenz-Mangel ist. Ein Einblick in den aktuellen Entwurf für den Bau wurde uns zudem verweigert.

Wie geht es nun weiter? Die UTB Grundstücksgesellschaft mbH soll dem Stadtplanungsausschuss in der nächsten öffentlichen! Sitzung am 8.2.2012 ihre Vorstellungen präsentieren. Eine Anwohnerinformation ist offenbar mal wieder nicht geplant. Deswegen werden wir uns nun schnellstmöglich darum kümmern, an die konkreten Entwürfe und weitere Informationen zu gelangen.

UPDATE: Noch bevor das Bauprojekt dem Stadtplanungsausschuss vorgestellt wurde, feiert der Investor am 24.1. im Tomasa mit potentiellen Kaufinteressenten sein Werk „Am Lokdepot“.

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4 Kommentare zu Müll (fast) weg, neuer Investor da und Bauarbeiter auch

  1. Susanne Nagel sagt:

    Hallo,

    euch ist sicher bekannt, dass dieser neue Eigentümer auch in der Schwiebusser Str./Ecke Friesenstr. engagiert ist, zusammen mit Barbara Rolfes-Poneß –
    ein Projekt von 220 Wohnungen und 21 Gewerbeeinheiten mit verschiedenen Baugruppen.
    Thomas Bestgen hat sich noch 2002 kurz vor der Entlassung des Gebietes um den Chamissoplatz aus der Sanierung noch mit der Beratung der Mieter bei der möglichen Gründung einer Genossenschaft und Übernahme der Häuser hervorgetan.

    So ändern sich die Zeiten …

  2. Jens sagt:

    „Im Fall der Eylauer Straße hat die erste Phase der „Bürgerbeteiligung“ mit der Auslegung des Plans ja schon stattgefunden. Inzwischen hat der Bezirk Tempelhof-Schöneberg jedoch Baugenehmigungen für Teilbereiche erteilt – im Vorgriff auf das spätere Ergebnis des Bebauungsplanverfahren. Wozu dann eigentlich überhaupt ein solches Verfahren mit Bürgerbeteiligung? Siehe http://www.viktoriakiez.de/

    Danke an den Gleisdreieck-Blog!

  3. Jens sagt:

    Und hier auch noch der Link zum vollständigen Artikel…
    http://gleisdreieck-blog.de/2012/01/23/der-park-wachst-die-bauflachen-auch/

  4. Ulli Zedler sagt:

    Zwar ist die Piratenfraktion leider (noch) etwas klein, aber im Ausschuss habe ich zumindest deutlich gemacht, dass die Baugenehmigungen unserer Auffassung nach (und die ist fundiert) ganz klar rechtswidrig erteilt wurden (LIDL übrigens, nebenbei gesagt, auch).

    Entweder haben wir ein Planungsbedürfnis, dann ist das Bebauungsplanverfahren mit Bürgerbeteiligung so wie begonnen nun durchzuführen, oder wir haben kein Planungsbedürfnis (so scheint es sich der Bezirk als Auffassung zu Eigen gemacht zu haben) dann kann man die Bürgerbeteiligung auch sein lassen, denn sie wäre eine reine Farce. Stuttgart 21 läßt grüßen.

    Der Bauausschussvorsitzende war geradezu unübertrefflich im Abwürgen von echter Diskussion. Zuerst bat er, doch ‚Fachgespräche‘ im kleinen Kreis zu führen (warum nicht öffentlich?), später wurden Bürger und dann sogar mein Piratenkollege Ickes abgewürgt.
    Demokratiedefizite in THF-SBG scheinen recht hartnäckig, und sind offenbar auch bei grünen Baustadträtinnen anzutreffen.

    Es ist ja auch einfach eine blöde Sache, wenn die Verwaltung mit dem Herrn Investor 34-er-Genehmigungen ‚ausmauschelt‘, und dann die Öffentlichkeit Klartext hören will, was hier Sachstand ist.

    Spannend wird die Veranstaltung am 21.02., da möchte Frau Klotz den Bürgern das Projekt wohl etwas ’näherbringen‘. Nun ja, ‚etablierte‘ Mitglieder der GRÜNEN mit entsprechend gefüllter Brieftasche finden vielleicht sogar Gefallen an schönen ‚grünen‘ Höfen, Maisonetten für 450.000 Euro mit Öko-Bodenbelag und Niedrigenergiebauweise oder dem ‚Flair‘ der originalgetreu restaurierten Lokschuppen vor dem nachmittagsbesonnten Westfenster.

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