Klima & Umwelt

Die Bioklimatische Situation in der Eylauer Straße & Gleisdreieck

Die Berliner Innenstadt wird sich im Zuge der Klimaerwärmung in den kommenden Sommern noch stärker aufheizen, einhergehend mit mangelnder Durchlüftung, wird sich die Bioklimatische Belastungssituation im Innenstadtbereich weiter verschlechtern. Überwärmung, Schwülegefährdung und geringe Abkühlung im Sommer in der Nacht bedeuten für den Menschen eine hohe Belastung. Diese kann, besonders bei älteren und kranken Menschen, Schwangeren und Kindern zu Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und der Atemwege führen.

Grünflächen wirken als Frischluftschneisen, und begünstigen die Abkühlung in tropischen Sommernächten. Wichtig für den Luftaustausch sind Luftleitbahnen von der Innenstadt an den Stadtrand. Als solche wirken die Flächen der Bahn, die den Luftaustausch in Nord-Südrichtung ermöglichen.

Gerade bei Erhöhung der Lufttemperatur sind diese Luftaustauschprozesse von wesentlicher Bedeutung für die lufthygienischen Verhältnisse in den Wohngebieten. Die durch die starke Erwärmung der Stadt aufsteigenden Luftmassen bewirken ein Nachströmen kühlerer Luft aus dem Umland. Wichtig ist dabei die Windgeschwindigkeit, mit der Luftmassen herangeführt bzw. abtransportiert werden. Innerhalb von bebauten Bereichen ist die Windgeschwindigkeit gering (Luftaustausch). Bei gleichzeitiger Erhöhung der Bioklimatischen und lufthygienischen Belastung (Tage mit Wärmebelastung, Wärmebelastung in der Nacht) ist die Zufuhr unbelasteter Luftmassen vom Stadtrand, aber auch von innerstädtischen Grünflächen erschwert. Die Verwirbelung, Verdünnung und der Abtransport der belasteten Luft ist häufig nicht mehr gewährleistet.

Kreuzberg / Friedrichshain ist einer der am stärksten versiegelten und am dichtesten besiedelten Innenstadtbezirke. Aufgrund hoher Temperaturen, geringer Windgeschwindigkeit und wenig häufigen Luftaustausches wird die Eylauer Straße im Umweltatlas der Stadt Berlin als Gebiet mit extrem hoher thermischer und bioklimatischer Belastung eingestuft, d.h „stadtklimatisch ungünstiger Siedlungsbereich“. Die Flächen des Bebauungsplans 7-1 (Städtischer Übergangsbereich mit Mischnutzungen) sind stadtklimatisch ebenfalls wenig günstig.

Aus dieser Klassifizierung lassen sich folgende stadtplanerische Ziele ableiten
(vgl.: Karte Planungshinweise Stadtklima und Klimafunktion):

  • Verbesserung des Luftaustausches
  • Vermeidung von Austauschbarrieren zu den bebauten Randbereichen
  • Erhöhung des Vegetationsanteils
  • Erhalt aller, auch kleiner Freiflächen
  • keine weitere Verdichtung
  • Verbesserung der Durchlüftung
  • Erhöhung des Vegetationsanteils, Entsiegelung und ggf. Begrünung der Blockinnenhöfe

Auswirkungen des Bebauungsplans 7-1
Der Bebauungsplan 7-1 des Bezirks Tempelhof – Schöneberg sieht entlang der Grundstücksgrenze der Eylauer Straße einen 280m langen mindestens 7-stöckigen, ca. 30m hohen Gebäuderiegel vor. Die Gebäudehöhe errreicht die Höhe der umgebenden höher gelegenen Bebauung. Die Untergeschosse befinden sich in einem 20-50m breitem Sockelgeschoss. Zusätzlich wird eine neue Erschließung angelegt. Für diese Bebauung und Erschließung werden alle nennenswerten vorhandenen Vegetationsstrukturen vernichtet.

Der geplante Gebäuderiegel hat vielfältige Auswirkungen auf die Umwelt:
Vegetations-und Artenverlust, Veränderung des Landschaftsbildes, Versiegelung bisher unversiegelter Bereiche und Verschlechterung der bioklimatischen Situation durch Abschneiden notwendiger Belüftungsbahnen.

Verschlechterung der bioklimatischen Situation
Durch den Verlust von Vegetation einhergehend mit der Versiegelung bisher unversiegelter Flächen kommt es zur stärkeren Erwärmung und verminderten Wärmebelastung in der Nacht.

Die komplette Abriegelung von Luftaustauschbahnen besonders in Ost-West- (Hauptwindrichtung) aber auch in Nord-Süd-Richtung führt zu einer eklatanten Verschlechterung der bioklimatischen Situation für die angrenzende Wohnbebauung der Eylauer Straße, da ein Luftaustausch nicht mehr gewährleistet sein wird.

Alternative Planung
Die Anlage von Freiflächen, der Erhalt bestehender Vegetation sowie die Entsiegelung zur Zeit versiegelter Flächen würden die klimatische Ausgleichsfunktion als Frischluftschneise gewährleisten und zur Entlastung angrenzender Siedlungsbereiche wie der Eylauer Straße beitragen.

Dieser Artikel wurde von Claudia Kroll im Auftrag der BI Eylauer Str. im Viktoriakiez verfasst. Der Artikel ist auch als pdf. datei verfügbar.

Die offizielle Erlaubnis zur Nutzung der Karten ist nun erfolgt.

Folgende Karten des Umweltatlasses werden angezeigt:
–          Bioklima-Wärmebelastung in der Stadt 2005
–          Bodennahes Windfeld und Luftaustausch
–          Klimawandel – Mittel der Tage mit Wärmebelastung 1971-2000
–          Klimamodell Berlin: Klimafunktionen 2005
–          Klimamodell Berlin: Planungshinweise Stadtklima 2005

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