Anmerkungen zur Gegenüberstellung vom 06.07.2012

Bezug nehmend auf die Gegenüberstellung unserer Argumente und Stellungnahmen des BA T./S. zum Thema Bebauungsplan 7-1 vom 06.07.2012, haben wir folgende Anmerkungen:
S. 1/ § 34:
Nach wie vor ist unklar, wann, wie und von wem die Festlegung, dass es sich hier um Bauen im Innenbereich handelt, vorgenommen wurde. Wie mehrfach aufgezeigt ist hier ebenso eine Festsetzung nach § 35 als Außenbereich begründbar. Die Festlegung scheint daher subjektiv.

Grundsätzliche Kritik: ein Verwaltungsakt, wie die Erteilung einer Baugenehmigung nach § 34, ist in Berlin im Nachhinein durch keine Instanz überprüfbar.
Die Festlegung schafft einen weiteren Präzedenzfall der die politische Einflussnahme der Bezirksregierungen bzw. –verwaltungen, auf das Baugeschehen in der Stadt verhindert.
Interessant ist, dass der Investor offensichtlich Einzelgenehmigungen für Bauabschnitte im sog. „Mittelteil“ nach § 34 BauGb beantragen wollte?

S.2 / Baukollegium:
Die Aussage des Baukollegiums ist eine Meinungsäußerung, die ebenso wie die kritischen Äußerungen zum Projekt durch den Bürgermeister Kreuzbergs Dr. Schulz bei der öffentlichen Vorstellung des Projektes 2010, die Aussagen eines StEP – Klima
oder jede andere öffentliche Meinungsäußerung berücksichtigt werden kann. Wir bezweifeln, dass dieses Gremium sich gründlich mit dem Projekt befasst hat (die Darstellung enthält fachliche Mängel und übernimmt weitgehend die textlichen Vorgaben des Investors) und kritisieren, dass ausschließlich architektonische und stadtplanerische Kriterien berücksichtigt wurden. Das Schutzgut Mensch fand, ebenso wie die anderen Umweltfaktoren (Klima, Arten- und Biotope) keine Berücksichtigung.

Höhe der Bauten:
Die Darstellung stimmt nicht ganz, im Bereich des 2-geschossigen
Sockelgeschosses (Vgl. Darstellung tatsächliche Geschosshöhe) und der ebenfalls 2-geschossigen Remisen im Mittelteil, werden diese sog. Sockelgeschosse sehr wohl über den „Beginn“ der Bestandsbebauung hinausgehen.

Die Verschattungsstudie berücksichtigt lediglich die Situation der nach Süden orientierten Bestandswohnungen und das direkte Maß an Sonneneinstrahlung.
Tatsächlich wird sich die Belichtungssituation, besonders der nach Norden orientierten Wohnungen, jedoch durch die Höhe der Neubauten extrem verschlechtert. Darunter wird ebenfalls die Aufenthaltsqualität der Höfe leiden.

S.4/ Gentrifizierung
Der Investor hat bei seinen Projekten in der Friesenstr. (siehe http://sq-f.de/pressemitteilung) durchaus gezeigt, dass sich günstiger bauen lässt und auch ein Mix von Eigentum und Mietwohnraum möglich ist. Beim „Lokdepot“ scheint alles
auf maximale Rendite ausgelegt. Dies vor dem Hintergrund fehlenden bezahlbaren Wohnraums in den Innenstadtbereichen.

S.5/ Umweltbelange
Ausgleich muss nicht nur für den Verlust an Vegetationsfläche und für die Baumverluste geschaffen werden, sondern auch für die extreme Überschreitung der zulässigen GFZ (vgl. Leitlinien für die planungsrechtliche Beurteilung bei ergänzenden Bauvorhaben in hochverdichteten Gebieten BA T./S.).

Eine rechnerisch nachvollziehbare Gegenüberstellung von Verlusten und Neuschaffung existiert nicht.
Wir stellen fest, dass das Bezirksamt die umweltpolitische und klimatische Problematik erkennt und sein Urteil von einem Umweltgutachten abhängig macht.

Wir wünschen uns sehr, dass diese umweltbezogenen Gutachten durch unabhängige Fachbüros erarbeitet werden.
Wir verstehen das so, dass eine kritische Bewertung des Projekts durch ein solches Gutachten auch eine Realisierung der Pläne des Investors verhindern, bzw. die Planung verändern und die Bebauung reduzieren könnte.

Fazit: Bioklimatische Situation

Noch unter dem Eindruck einiger tropischer Nächte im vergangenen Monat, lässt sich in etwa die unerträgliche bioklimatische Situation erahnen, die unter
Beibehaltung der durchgehenden Gebäudehöhe, -dichte (zusätzliche Bebauung und Versiegelung der Innenhofbereiche und –durchgängigkeit (Verzicht auf Bebauung einzelner Parzellen) für die Bewohner der Eylauer Straße entstehen wird.

Hierzu noch eine Frage: Besteht eine derartige Dringlichkeit für die Bebauung, dass am Neubau in der Monumentenstraße werktags mindestens 12 Stunden, an einigen
Tagen auch bis in die späte Nacht und am Samstag 8-10 Stunden gearbeitet wird?

Der Baulärm beeinträchtigt uns Anwohner sehr und durch die extremen Arbeitszeiten, reduzieren sich die Erholungs- bzw. Ruhephasen für uns ebenfalls ganz erheblich.

Tatsächliche Geschosshöhen
Wir Anwohner fordern weiterhin im Hinblick auf die schlechte bioklimatische Situation und die zu erwartenden Belichtungsprobleme:
• Verzicht auf bis zu 3-geschossige Bebauung der Innenhöfe
• Außerhalb der bereits genehmigten Eckbauten an Duden- und Monumentenstraße eine Reduzierung der Gebäudehöhe
• Öffnung des Gebäuderiegels (Neubau) / Offenlassen ganzer Parzellen (mind. eine Hausbreite)

Zur Aufwertung der Biotopstrukturen:
• Verzicht auf bis zu 3-geschossige Bebauung der Innenhöfe um mehr Flächen mit Bodenanschluss zu erhalten, die sich für eine strukturreichere Bepflanzung und die Versickerung von Regenwasser eignen. Allgemein ist auf die Schaffung von strukturreichem, ökologisch wirksamen Grün zu achten.

Anmerkung und Bitte: Unter Betrachtung der bereits vorhandenen Untergeschosse des Gebäuderiegels (Neubau), scheint nach Verlängerung der bereits sichtbaren Gebäudeflucht (Augenmaß) der Gebäuderiegel doch näher an die Bestandshinterhäuser heranzurücken. Wir bitten dies gewissenhaft zu prüfen!
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Die aktuelle Monitorsendung befasst sich mit dem auch uns betreffenden Thema wie „Reiche ins Zentrum, Arme an den Rand verdrängt werden und wie der soziale Wohnungsbau zum Auslaufmodell wird
Wir danken der Monitor Redaktion dass sie sich mit diesem Brennpunkt Thema befaßt!

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