Am Lokdepot

Da die Verwaltung sich mit Informationen zurückhält*, der Investor und leider auch die meisten Medien bisher nur die Schokoladenseiten aufzeigen, haben wir wichtige Infos zusammengestellt und werden die Liste ständig erweitern: für Anwohner und auch für Kauf-Interessenten.

Was die Kauf-Interessenten über „Am Lokdepot“ wissen sollten

  • Rechtlich unsichere Lage
    Die vorliegenden Genehmigung nach § 34 Baugesetzbuch wird von mehreren Fachleuten angezweifelt (1, 2 + Fachbeitrag als pdf und neues Gutachten). Rechtliche Schritte werden nicht nur von der Bürgerinitiative, sondern auch von Eigentümern betroffener Häuser in der Eylauer Straße geprüft. Zahlreiche Fragen sind offen (pdf), auch wenn es inzwischen ein paar oberflächliche Antworten (1, 2, 3, 4) gibt.
  • Fehlende Umweltprüfung
    Das angewendete beschleunigte Verfahren sieht keine Umweltprüfung vor – und das, obwohl Umweltverbände und Anwohner auf die Notwendigkeit hingewiesen haben. Alte Industrieanlagen deuten darauf hin, dass der Boden belastet sein dürfte. Außerdem hat das Gelände eine wichtige Funktion für das Stadtklima.
  • Veraltete Lärm-Gutachten
    Die im Genehmigungsverfahren verwendeten Unterlagen stammen aus der Zeit vor dem Bau des Discounters. Nicht nur der Straßen- und Logistik-Lärm dürften erheblich zugenommen haben, sondern ebenso der Bahnverkehr. Beides findet bei Genehmigung und Bauplänen offenbar keine Berücksichtigung.
  • Verärgerte Nachbarn
    Trotz intensiver Bemühungen der Bürgerinitiative ist die Informationspolitik der Verwaltung mehr als dürftig. Eine intensive und vor allem zeitnahe Bürgerbeteiligung findet nicht statt. Statt dessen werden Anwohner wie auch Politiker regelmäßig überrumpelt, vor vollendete Tatsachen gestellt und haben keine Gelegenheit, für einen gangbaren Kompromiss im Sinne aller Betroffenen zu sorgen. Das jetzige Vorgehen dürfte die Situation noch verschärfen und für viel Streit und Widerstand sorgen.

Was das Bauprojekt „Am Lokdepot“ für Anwohner bedeutet…

  • Geringere Lebensqualität
    Der geplante Bau zieht eine Barriere aus Beton zwischen die Häuser der Eylauer Straße und die Bahntrasse, sie rücken, mit den Worten des Kreuzberger Bürgermeisters Franz Schulz, „in die zweite Reihe“. In den unteren Stockwerken kommt nur noch im Sommer Sonnenlicht in die Wohnungen, frischer Wind wird zum Privileg der Begüterten. Viele Mieter sind wegen des freien Blicks über die Stadt hier eingezogen, der wird ihnen zukünftig versperrt. Viele haben auch die großen Bäume hinter ihren Häusern schätzen gelernt, die dem Bauvorhaben zum Opfer fallen sollen.
  • Steigende Mieten
    Bei Quadratmeterpreisen „zwischen 2.700 und mehr als 4.000 Euro“ laut taz ist mit steigenden Mieten im Kiez zu rechnen. Für das Bauprojekt wird „bezahlbarer Wohnraum für unter 8 Euro pro Quadratmeter“ ausgeschlossen. Die Erfahrung zeigt, dass in der Nachbarschaft von hochpreisigen Eigentumswohnungen auch die Mieten anziehen. Davon ist auch hier auszugehen, selbst wenn die neuen Zuzügler das Quartier und die Lebensqualität zusätzlich belasten.
  • Weniger Parkplätze, mehr Verkehr
    220 Wohnungen sollen laut Morgenpost entstehen, aber deutlich weniger Parkplätze. Ein Gutachter empfiehlt dagegen 500 neue Stellplätze. Schon jetzt ist das Angebot an Plätzen zu gering. Verwaltung und Planer reden das Problem klein, ebenso die zunehmende Verkehrsbelastung und die Gefährdung von Radfahrern und Fußgängern. Auch bei der Überarbeitung der Pläne wurden die Bedenken der Anwohner weitgehend ignoriert.
  • Schlechteres Klima
    Seit Jahren gilt die Eylauer Straße als eine der heißesten Straßen der Stadt. Doch der Freiraum entlang der Bahnstrecke hat nicht nur Bedeutung für den Kiez selbst, sondern für große Teile der Innenstadt. Für die neuen Pläne wurden deswegen Änderungen vorgenommen, leider nur minimale.

* Ändern könnte sich das mit der Infoveranstaltung am 21.2.12 – wenn möglichst viele betroffene Bürger teilnehmen und kritische Fragen stellen (Einladung als pdf).

Leider blieben die meisten Fragen bei der Infoveranstaltung unbeantwortet, wie die Berichte im Gleisdreieck-Blog und im Landwehrkanal-Blog belegen. Deswegen werden unsere Fragen weiterhin online gestellt (pdf). Inzwischen gibt es zumindest ein paar Antworten (1, 2, 3, 4).

alle BI-Meldungen zum Lokdepot

Weitere kritische Berichte:
03.03.2012: „Schlechte Aussichten für die gute Aussicht“ in Kiez & Kneipe
12.02.2012: „Vom Baumarkt zum gehobenen Wohnungsbau“ im Landwehrkanal-Blog
12.02.2012: „Eylauer Straße: Zauberwald von Kettensäge bedroht“ im Gleisdreieck-Blog
09.02.2012: „Debatte um Wohnungen: Eingeschränktes Rederecht“ in der taz

3 Kommentare zu Am Lokdepot

  1. Wilhelm sagt:

    Hallo,
    Planungsrechtlich ist der B-Plan 7-1 VE schwerlich zu verhindern. Planungsrecht liegt beim Bezirksamt T-S. Die angestrebte Mischgebietsausweisung (MI) ist jedoch die Schweinerei. Im MI sind wesentliche höhre Schallemmissionen 60/45-50 dbA (Tag/Nacht) zulässig als im Allgemeinem Wohngebiet (WA) mit 55/45 dbA. Die späteren Bewohner (Eigentümer/Mieter) haben das Nachsehen. Die Schallemmissionswerte durch den Bahnverkehr überschreiten jetzt schon die im MI zulässigen Werte (s. Gutachten AIR v. 17.1.13). Planungsrechtlich angemessen wäre auch eine WA-Ausweisung, da kein Gewerbebetrieb im (neuem) Plangebiet (ohne Lidl u. Lokschuppen). Bleibt nur der Weg das die BV die Änderung des B-Plan auf WA beschließt, mit der Folge wesentlich höherer (ggf. nicht realisierbarer) SCHALLSCHUTZAUFLAGEN für die geplanten Bauvorhaben im Baugenemigungsverfahren.
    Gruss Wilhelm
    PS: Negativbeispiele eine Wohnbebauung im MI findet man an der Lützow/Flottwellstr. . Da liegen Wohnungen z.T. 5m von lauten Gerwerbebetrieben (Werkstatt/Handwerksfirmen etc.) entfernt und schmoren in Ihrer Ökobude. Den Architekten=Verkäufer (Baugruppe) sei Dank.

  2. Tom sagt:

    Und neben dem Lärm drohen den Eigentümern am Lokdepot ja auch noch die Altlasten im Boden des ehemaligen Bahngeländes, wie aktuelle Berichte andeuten:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/altlasten-tausende-grundstuecke-der-bahn-verseucht-a-944742.html

    Eine ordentliche Umweltprüfung hat es ja trotz diverser Warnungen nie gegeben. Hoffentlich gibt es dafür wenigstens einen Rabatt! ;-)

  3. Pingback: Stadtumbau | cosmovisión

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